Sehnsucht - LEBEN

Mehr - besser - schneller  - schöner….alles Attribute, die den Motor unserer modernen Gesellschaft antreiben.

Überall wird von Wirtschaftskrise gesprochen, obwohl es sich, wenn wir uns so das politische Geschehen anschauen, mehr um eine Moral- und Kulturkrise handeln dürfte, in der wir uns befinden. Es hat den Anschein, die Mittelschicht unserer Gesellschaft wird immer kleiner, Individualität verschwindet immer mehr und der Konkurrenzkampf wird immer größer. Durch Spekulation und Korruption wird mehr verdient (verdient ist wohl der falsche Ausdruck, denn darin steckt das Wort „dienen“), als durch Investition und täglicher Arbeit der ehrlichen Bürger.
Wenn wir eine gesunde Wirtschaft und eine zufriedene Gesellschaft wollen müssen wir immateriellen Werten den gleichen Stellenwert einräumen, wie materiellen. Gewissen und Verantwortungsbewusstsein für die nächste Generation dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Die Gesellschaft muss sich solidarisieren und  Widerstand leisten, wenn  „manche Macht-Haber“ nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind und das Wohl der „Gemeinschaft Mensch“ aus den Augen verlieren.
Fest steht für mich auch, dass ein Schritt halten mit den Anforderungen der heutigen Welt für den Einzelnen und für Familien oft sehr schwierig und belastend ist. Beschleunigung, Konsumzwang, Perfektionsanspruch, Manipulation führen zur inneren Vereinsamung des Menschen und wahrscheinlich auch zum Bruch von Familien. Der Mensch hat aber die Sehnsucht (und das Recht) als Person gesehen zu werden – und zwar in seinem So-Sein bzw. So-Geworden-Sein und nicht weil er mit den von der Gesellschaft geforderten Attributen mithalten kann. Durch Krankheit oder andere Schicksalsschläge kann auch der/die Beste, Klügste, Schönste …ganz schnell aus diesem Zeitgeist-Karussell herausgeschleudert werden. Von einem Augenblick zum anderen werden dann die Grenzen des Machbaren vor Augen geführt und so manchem wird in solcher Situation bewusst, dass er/sie jahrelang den falschen Werten nachgelaufen ist.
Was der Mensch braucht ist das wohlwollende Naheverhältnis zum Menschen, das angenommen Sein vom Mitmenschen und nicht eine anonyme  Masse als Publikum. Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass die echte Bestätigung der menschlichen Existenz in Macht, Ruhm und Erfolg liegt.
Verständnis, Vertrauen, Gerechtigkeit, Liebe, Freundschaft, Anerkennung der Person…gesunde Bedürfnisse eines jeden Menschen. Wir sollten uns bemühen diese zu erfüllen und auch erfüllt zu bekommen. Keinem Menschen kann es auf Dauer wirklich gut gehen, wenn diese Bedürfnisse in einer zu sehr auf Konsum und wirtschaftliches Wachstum ausgerichteten Welt auf der Strecke bleiben – wenn „das Wesen-tliche“ aus den Augen verloren wird. In einer sich so im Wandel befindlichen Zeit, wo Globalisierung und Technik in rasantem Tempo an Bedeutung gewinnen, sollten wir auf „kostbare Werte“, die doch „nichts Bares kosten“ aber unsere Seele nähren und letztendlich auch zur Lebenszufriedenheit und zu einem erfüllteren Leben wesentlich beitragen, besonderes  Augenmerk legen. Wenn älter werden in dieser modernen Gesellschaft gelingen soll, müssen wir versuchen altbewährte Überzeugungen, die über Generationen hinweg ihre Richtigkeit hatten, in diese - unsere Zeit - zu übertragen. Es ist meine feste Überzeugung, dass dem Menschen alles zuzutrauen ist – im Schlechten, aber ganz bestimmt auch im Guten.

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